Der Vorrat musste weg
Vor der christlichen Fastenzeit galten Fett, Eier, Milch und Zucker für vierzig Tage als verboten. Wer sie im Haus hatte, stand vor einem praktischen Problem: Kühlschränke gab es nicht, Butter wurde ranzig, Eier verdarben.
Die Lösung war überall in Europa dieselbe – man verarbeitete alles auf einmal, und zwar am liebsten in siedendem Fett. Daraus entstanden die Berliner, die Fastnachtsküchle, die Krapfen. Und im Rheinland die Mutzen.
Deshalb ist ihr Teig auch so reichhaltig: Butter, Eier, Zucker, Mehl, dazu oft Quark und ein Schuss Rum oder Weinbrand. Nichts davon ist Zufall – es ist schlicht die Liste dessen, was vor Aschermittwoch aufgebraucht werden musste.
Rauten, keine Kugeln
Die klassische Form ist die Raute. Der Teig wird ausgerollt und mit dem Messer oder dem Teigrädchen in Streifen geschnitten, die man schräg noch einmal teilt. Das geht schnell, und es bleibt kein Rest übrig – anders als beim Ausstechen.
Genau darauf geht wohl auch der Name zurück. Er wird auf das mittelhochdeutsche mutzen zurückgeführt, was so viel bedeutet wie stutzen oder abschneiden. Die Mutze ist also, wörtlich genommen, das abgeschnittene Stück.
Daneben stehen die Mutzenmandeln. Für sie kommen gemahlene Mandeln in den Teig, und geformt werden sie in einer eigenen Metallform mit mandelförmigen Mulden. Sie sind die feinere Verwandtschaft – dieselbe Idee, mehr Aufwand.
Aus dem Karneval heraus
Ihre Heimat haben Mutzen im Rheinland: in Köln, Bonn und am Niederrhein gehören sie zur Session wie das Kostüm. In den Wochen vor Aschermittwoch stehen sie in jeder Bäckerei, und in vielen Familien wird noch selbst frittiert.
Am Karneval hängen sie aber längst nicht mehr fest. Über die Schausteller, die mit ihren Wagen quer durch Deutschland ziehen, sind Mutzen auf Kirmes, Volksfesten und Weihnachtsmärkten überall angekommen – auch weit im Norden, wo vom Rosenmontag nicht viel zu spüren ist.
Kurz gefasst
- Herkunft
- Rheinland – Köln, Bonn, Niederrhein
- Anlass
- Karneval, vor Beginn der Fastenzeit
- Teig
- Butter, Eier, Zucker, Mehl, oft Quark und Rum
- Form
- Rauten – oder Mandelform bei Mutzenmandeln
- Zubereitung
- im heißen Fett ausgebacken, mit Puderzucker
- Name
- von mittelhochdeutsch mutzen – „abschneiden“
Dass es sie bei uns in Kiel gibt, ist genau diese Geschichte in klein: ein rheinisches Gebäck, das mit einem Anhänger nach Norden gewandert ist.