Die Hirten in den Bergen
Die in Spanien verbreitetste Erklärung führt in die Bergregionen der Iberischen Halbinsel. Hirten waren dort wochenlang mit ihren Herden unterwegs, weit weg von jeder Bäckerei. Was sie hatten, war Mehl, Wasser, Salz und eine Pfanne über dem Feuer. Daraus entstand ein einfacher Teig, der im heißen Fett ausgebacken wurde – haltbar, sättigend und überall herstellbar.
Der Name soll auf die Churra zurückgehen, eine alte spanische Schafrasse. Ihre Hörner sind gedreht und geriffelt – ähnlich wie der Teigstrang, der aus der Sterntülle kommt. Belegen lässt sich das nicht, aber die Namensähnlichkeit ist auffällig genug, dass sich die Erzählung gehalten hat.
Die Route über See
Die zweite Erklärung ist weitgereister. Portugiesische Seefahrer trafen im 16. Jahrhundert im Kaiserreich China auf Youtiao – lange, im Fett ausgebackene Teigstangen, die dort zum Frühstück gegessen werden. Die Idee sollen sie mit auf die Iberische Halbinsel gebracht haben, wo der Teig eine eigene Form bekam.
Auch das ist nicht bewiesen. Historisch gesichert sind Churros erst als Straßenessen des 19. Jahrhunderts, verkauft von fahrenden Händlern, den churreros. Wahrscheinlich stimmt an beiden Geschichten etwas – frittierter Teig ist keine Erfindung, auf die man nur einmal kommt.
Warum der Stern kein Zierrat ist
Die geriffelte Form entsteht durch eine sternförmige Tülle, und sie ist keine Dekoration, sondern Physik. Die Rillen vergrößern die Oberfläche erheblich: Der Strang gart schneller durch und wird außen knuspriger, während er innen weich bleibt.
Ein glatter, runder Strang hätte ein zweites Problem. Sein Inneres bleibt länger feucht, der Dampf staut sich – und im heißen Fett platzt er auf. Die Rillen geben dem Dampf einen Weg nach draußen. Wer schon einmal Churros ohne Sterntülle versucht hat, weiß, warum Bäcker daran festhalten.
Von Madrid nach Mexiko
In Spanien sind Churros bis heute kein Nachtisch, sondern Frühstück – oder das, was man nach einer langen Nacht auf dem Heimweg isst. Dazu gehört chocolate a la taza: eine dicke, fast puddingartige Trinkschokolade zum Eintunken. Die Chocolatería San Ginés in Madrid macht das seit 1894, rund um die Uhr.
Daneben gibt es die Porras, die dickere Schwester: mehr Teig, etwas Backtriebmittel, innen weicher. Mit der spanischen Kolonisierung kam das Gebäck nach Lateinamerika und veränderte sich weiter – in Mexiko in Zimtzucker gewälzt und mit Dulce de Leche gefüllt, in Argentinien und Uruguay ähnlich.
Kurz gefasst
- Herkunft
- Spanien – die genaue Entstehung ist umstritten
- Sicher belegt
- als Straßenessen im 19. Jahrhundert
- Teig
- Mehl, Wasser, Salz – brandteigähnlich, ohne Ei
- Form
- Sterntülle: mehr Oberfläche, kein Aufplatzen
- Klassisch dazu
- dicke Trinkschokolade zum Eintunken
- Name
- vermutlich nach der Schafrasse Churra
Bei uns kommen sie frisch aus dem Fett in den Zimtzucker – und wer möchte, bekommt die Schokolade zum Dippen dazu. Ganz so wie in Madrid.